Sensory Safari Spass

Jetzt sind schon wieder einige Tage seit meinem letzten Beitrag vergangen und ich mache fix (äh, soweit ich das kann) eine Stenozusammenfassung der Tage, bevor wir dann bei einem der absoluten Highlights unserer Reise landen.

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Zunächst verbrachten wir einen Faulenzertag in Port Elizabeth bei Roy, der wohl der enthusiatischte Hostelbesitzer der Welt ist. Er macht das Ganze erst seit 7-8 Monaten – vorher waren die Unterkünfte Studentenbutzen, aber dann hat er die drei Wohneinheiten liebevollst und mit viel Geschmack renoviert und es sich jetzt richtig tolle gehobene Flashpackerunterkünfte geworden.

 

Gerade für Familien ist die Unterkunkt toll – billig, wenn man zwei Schlafzimmer braucht, ein toller Knuddelhund und ein riesiger eingezäunter Garten und ein unglaublich kinderfreundlicher Hostelbesitzer inklusive. Der Zwerg malte gleich begeistert in den bereitgelegten Malbüchern, kletterte auf unzählige Riesensteine und Baumstammgebilde im Garten und verbrachte Stunden mit dem Riesenköter. Wir verließen die Unterkunft tatsächlich nur zum Lebensmitteleinkauf und einmal Restaurant (und da sogar nur der Zwerg und der Traummann, während ich etwas krank feierte) und genossen es, mal so richtig faul zu sein.

 

Dann ging es Richtung Addo Elephant Park, dem drittgrößten Nationalpark Südafrikas, durch den man auch mit dem eigenen Auto durchfahren konnte und der – wie der Name schon sagt – von Elefanten nur so strunzt.

Hier wohnten wir im Rosedale – einer organischen Orangenfarm nahe dem main entrance des Addo Parks, wo wir gerade vom Frühstück mit dem selbstgepresstem Orangensaft und dem abendlichen Lagerfeuer total begeistert waren. Da war ich leider immer erkälteter und die Männer genossen lange Abende am Feuer, bevor dann der Zwerg immer wieder besorgt zu mir ans Bett kam und mir einen heißen Tee nach dem anderen machte. (Wir haben echt das coolste Kind von allen.)

Ich war inzwischen meeega genervt von meiner Erkältung. Es war zwar erst die Zweite überhaupt auf der Reise, aber ich glaube, ich habe mittlerweile eine richtige Allergie dagegen, krank zu sein, nachdem ich von Zwergs erstem Lebensjahr an für ca. 1.5 Jahre durchgehend mehr oder weniger krank war, was alle Lebensbereiche durchsetzte und verseuchte. Gefühlt jeder Tag, an dem ich nicht krank war, gings dem Zwerg oder dem Traummann nicht gut und keiner von uns kam jemals dazu, sich wirklich zu erholen. Noch geschwächt dann nachts zwischen 2 und 4 ein krankes, weinendes Kind durch die Gegend schleppen müssen, steht echt in keiner Nebenwirkungsbeschreibung von Schwangerschaft und Co!

Ich bin unendlich froh, dass diese Zeit jetzt wohl endgültig hinter uns ist, aber jedes Halsweh wird mich wohl noch auf Jahre an diese knochentiefe Erschöpfung und teilweise tiefe Verzweiflung erinnern.

Sorry, für den Exkurs – zurück zu den Elefanten.

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Am ersten Tag fuhren wir nur zum Main Entrance, gingen im fantastischen Restaurant essen und betrachteten eine große Elefantenherde am Wasserloch, gleich am Eingang. So sparten wir uns erstens den Eintritt (der durchaus stolz ist mit ca. 36€ für uns Alle) und Zweitens hatten wir echt eine gute Zeit! Es gibt einen Weg, der zu einer Art Bunker führt, wo man unter der Erde aus Fenstern genau zum Wasserloch gucken kann. Man muss sehr leise sein (daher konnten wir mit dem Zwerg nur ca. 12 Minuten bleiben), aber ist dann keine 10m von den wilden Elefanten entfernt, die auch so nett waren, genau in der Zeit das Wasserloch zu beehren.

Der Zwerg war zudem froh, weil es einen kleinen Spielplatz gab und er sich etwas austoben konnte. Auf einer Aussichtsplattform, wo wir ebenfalls eine Elefantenherde betrachten konnten, die sich am Wasserloch gütlich taten, ordnete er die ganze Zeit vor sich hinmurmelnd irgendwelche Steine an („He is going to be an engineer“, wurde uns mitgeteilt) und zudem nahm er eifrig und wißbegierig den Fußstapfenpfad auf und lernte die Fußabdrücke von allen Tieren kennen.

Dabei Preisfrage: Zu welchem Tieg gehört der folgende Abdruck?

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Den nächsten Tag fand er (und zum Teil auch ich), nämlich eher langweilig. Da fuhren wir insgesamt ca. 4h durch den Park (mit langer Pause zwischendrin), auf der Suche nach den verfluchten 600 Elefanten, die sich allesamt eine invisibility cloak zugelegt haben schienen. Elefantendung sahen wir tonnenweise, auch Zebras, diverse Antilopen und mehr Warzenschweine, als ich jemals sehen wollte, nur die Dickhäuter hielten sich hartnäckig versteckt.

Aber gaaanz am Schluß stießen wir dann doch noch auf eine Herde von ca. 5 Elefanten und konnten dann erleichtert zurückfahren.

Und dann gings endlich los – zu unserem Luxusevent der Reise schlechthin – wir fuhren für drei Nächte mit Vollpension und 2 game drives pro Tag inklusive nach Lalibela.

Das Ganze kostete uns fast unglaubliche 1.100€, was sich aber bis auf den letzten Euro lohnte.

Vor Allem auch deswegen, weil es auch für den Zwerg total toll war. Das war ja etwas, was uns vor der Reise noch etwas Sorge gemacht hatte – klar wollten wir Erwachsenen unbedingt Safari machen – aber wie kann man das so organisieren, dass es für den Zwerg nicht zu langweilig wird?

Unser Glück war natürlich auch, dass er viel interessierte am wild life war, als wir es für möglich gehalten hatten. Den Erklärungen der verschiedenen Ranger (bzw. dann unseren Übersetzungen), lauschte er meist wißbegierung und gab sie dann auch (meist sogar korrekt) an seine Stoffwaschbären weiter oder korrigierte uns empört, wenn Informationen von Tagen zuvor (!!!) den neuen Informationen widersprachen. Da überraschte er mich teilweise extrem.

Was in Lalibela noch erleichternd hinzukam, war, dass es extra Kindersafaris gab. Der Zwerg durfte auf die Erwachsenensafaris nicht mit, da diese 3h dauerten (das wäre echt über seine Geduld gegangen, am Tag 2x 3h im Auto zu sitzen) und man natürlich auch teilweise in potentiell gefährliche Situationen kommen könnte.

Die Kindersafarise dauerten je ca. 1.5h und man hätte die Kinder sogar alleine fahren lassen können, da die Lodge dafür eine Kinderfrau zur Verfügung gestellt hätte. Der Zwerg hörte davon und wollte das auch gleich alleine machen, was uns erstmal total kalt erwischte. Natürlich fand ich es mega cool, dass er sich das zutraute, aber gleichzeitig wusste ich auch, dass er überhaupt nicht wußte, was da auf ihn zukam und ich echt Angst hatte, dass dann sein noch recht neuer Wunsch nach Selbständigkeit gleich wieder nach hinten losgeht – er hätte erstmal 1.5h auf der Safari gesessen mit Niemanden, der seine Sprache spricht und hätte danach noch 1.5h weitere Stunden auf uns waren müssen, die wir auf der anderen Safari waren. Zwar betreut durch die Kinderfrau, aber auch da wieder ohne Möglichkeit, sich mitzuteilen.

Ich war recht erleichtert, als er dann nach Ankunft in der Lodge doch meinte, dass es schöner wäre, wenn Einer von uns bei ihm mitkäme und ich mir erst gar nicht überlegen musste, ob und wie wir ihn alleine fahren lassen.

So fuhr immer Einer von uns mit bei der Kindersafari und Einer bei der Erwachsenensafari.

Letztere starteten einmal um 7 Uhr morgens (echt toller Sonnenaufgang, aber warum um Himmels Willen stehe ich freiwillig im Urlaub so früh auf???? Es hat sich aber echt gelohnt!!!!!) und einmal nachmittags um halb 4 und ging damit dann bis in die Dunkelheit.

Das Gelände ist mit 7.500Hektar mega groß und teilweise sind wir ne Stunde durch die Gegend gekurvt, bevor wir Tiere gesehen haben – zu Beginn war ich teilweise etwas enttäuscht, da sich auf meinen ersten drei Fahrten fast alle interessanten Tiere versteckt hatten, aber immerhin hatte ich da viele Giraffen, einen cheetah (Gepard) und ein paar Hippos gesehen.

Aber noch mehr hatte ich mich auf Löwe und Elefanten gefreut und war tief neidisch auf den Traummann, der auf seiner Erwachsenensafari sogar ein Löwenrudel bei der Jagd auf Impalas beobachten durfte!! (Es war ihm natürlich gegönnt. 😉 ).

Aber dann war ich auf meiner Abendsafari und schon tief zufrieden, da wir zwei pubertierende Löwenmänner beim Verspeisen eines Warzenschweines betrachten durften und auf einmal kam es der Funksprechanlage im Auto die aufgeregte Stimmer der Game Managerin „Andrew, Andrew, Andrew!!!“ sie sprachen im Code weiter (so gemacht, damit Touristen nicht enttäuscht sind, wenn das angepeilte Wild dann doch nicht mehr zu sehen ist).

Andrew drehte sich zu uns um und sagte „Hold on tight, guys. I have got something special for you!“ und raste dann in der Dunkelheit über Feldwege, während wir drei Besucher uns an das Auto klammerten.

Und dann sahen wir eine Löwin mit ihren vier Jungen, die majestätisch durch das Feld stolzierte, die zwei Monaten alten cubs spielend und tollend hinterher und vorneweg. Den Anblick werde ich nie vergessen und auf für unseren Ranger Andrew war das etwas ganz Besonderes  – auch er hatte die Löwenkinder seit der Geburt nicht mehr gesehen.

Andrew sagte über sich selber, dass er auf die 21 zuging, was hieß, dass er in 11 Monaten 21 wird. Ich war beeindruckt, wie reif ein 21 Jahre alter Mann sein kann. Mit 16 die Ausbildung zum game ranger angefangen, dann 2 Jahre in Namibia weiter gelernt und jetzt seit einem knappen Jahr in Lalibela – von seinem ganzen Verhalten und seinem Wissen hatten der Traummann und ich ihn eher auf Mitte 30 geschätzt! Wie der Traummann noch erzählte – auf eine Frage eines anderen Touristen nach der Gefährlichkeit beim Treffen mit z.B. Löwen usw sagte er, das Einzige, was wirklich gefährlich sein könne, wäre, wenn plötzlich ein Elefant aggressiv werden würde und das Auto angreifen wolle „but I can handle it“, – und man hatte keine Sekunde das Gefühl, seinen Worten nicht trauen zu können.

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Im direkten Vergleich fuhr ein 22 Jahre alter Schweitzer als Tourist mit und der hingegen war noch soooo kindisch und so bemüht zu zeigen, was er kann und weiß — unglaublich der Unterschied!

Gerade jetzt als Mutter hatte ich da noch einen ganz neuen Blick auf diese Generation (sooooo alt bin ich schon :eek:) und stellte mir vor, wie man sich fühlt, wenn der 16 jährige Sohn so ehrgeizig und zielstrebig seinen Lebenstraum erfüllt – so weit weg ist das ja irgendwie gar nicht mehr und dann ist der Zwerg auch 16.

Wenn er nach mir kommt, dann ist er allerdings mit 16 auch unsicher, verplant, noch naiv und kindisch und das darf er auch gerne sein – erwachsen ist man lange genug. 😉 Dennoch war und bin ich sehr beeindruckt von Andrew.

Zwergs fast persönlicher Ranger hieß Matthew. Leider fuhr nur ein Mal ein anderes 3-jähriges Mädchen bei der Kindersafari mit, ansonsten war der Zwerg stets das einzige Kind. Matthew – ebenfalls ein junger Bursche um die 20 – tat aber Alles, um es für ihn unvergeßlich zu machen und führte uns damit an einige Ereignisser heran, die auch für uns unvergeßlich und unvergleichlich zu der Erwachsenensafari waren!

Statt auf Löwen oder Nashornjagd zu gehen, konzentrierte sich die Safari eher auf das Erleben mit allen Sinnen. Da wurden Blätter abgerupft, die der Zwerg riechen konnte, Matthew öffnete Termitenhügel und ließ den Zwerg Termiten fangen und – theoretisch – essen. Der Zwerg weigerte sich allerdings, die Viecher zu essen und fing sie nur für mich in rauen Mengen – ich war angenehm überrascht. Sie schmeckten nach einer Mischung aus Pfefferminz und Salbei und waren – Matthew zufolge – wahre Proteinbomben.

Außerdem ließ er den Zwerg nach Fußspuren suchen und sie anfassen und  – das absolute MegaHighlight, wovon noch stundenlang gesprochen wurde – der Zwerg konnte mit getrocknetem Elefantendung Fußball spielen. Völlig begeistert nahm der Zwerg sogar drei Elefantendunghaufen mit zur Lodge —- die natürlich im Endeffekt ich tragen musste. Was halt so Alles zur Jobbeschreibung einer Mutter gehört. (Natürlich auch, dann mit besagtem Elefantendung und überdrehtem Zwerg im Anschluss Fussball zu spielen und – als alles zerkümelt war, den Zwerg dabei beaufsichtigen, wie er begeistert alles in den Kamin warf —- war uns doch auch noch auf der Safari erzählt worden, dass das Verbrennen von Elefantendung zuverlässig alle Mücken abhalte.)

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Einen Nachmittag blieb der Zwerg auch tatsächlich völlig zufrieden und ohne Probleme für eine Stunde in der dortigen Kinderbetreuung. Er war da leider das einzige Kind und die Kinderfrau konnte kein deutsch, aber trotzdem kam der Zwerg nach einer Stunde total zufrieden wieder zu uns und erzählte stolz von dem Highlight, dass er in die Küche gedurfte hatte und sich dort aus den Vorräten etwas aussuchen durfte – die Liebe geht auch bei ihm durch den Magen. Männer halt. 😉

Vorher hatten die Beiden zunächte Fußball und dann Badminton gespielt – die gute Frau hatte echt etwas für ihr Geld tun müssen. Wir wissen nur zu gut, wie unermüdlich der Zwerg so sein kann.

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Und wir? Wir hatten somit das erste Mal seit gut 4 Monaten den Zwerg für eine Stunde nicht in eigener Betreuung. Das erste Mal seit 4 Monaten war der Zwerg nicht mit Einem von uns zusammen. Das war auch für uns ganz ungewohnt, aber wir genossen es, mal eine Stunde für uns zu haben, auch wenn wir stets mit einem Ohr nach Weinen oder Schreien Ausschau hielten!

Ich wiederhole mich, aber – das wäre am Anfang des Sabbaticals noch undenkbar gewesen! Niemals nie nicht wäre der Zwerg ohne Eingewöhnung ohne uns bei einer fremden Frau geblieben. Aber der ständige Kontakt mit immer wieder neuen fremden und freundlichen Menschen, hat ihm echt einen Schub gegeben!!

(Auf dem Foto sieht man das Spielzelt, wo der Zwerg unermüdlich ein Bild nach dem anderen malte und einmal auch mit einem anderen Mädchen und dem Traummann zusammen das Trommeln lernte)

Heute Morgen hatten wir drei noch unsere letzte Safari – ich sah endlich die Nashornherde, die sich bisher total gut versteckt gehalten hatte und wir blieben danach wieder erfolglos auf Elefantenjagd – wie sich 31 Dickhäuter so gut verstecken können, ist mir echt ein Rätsel.

Die Nashörner ließen uns Alle etwas traurig zurück – aktuell ist die Wilderei in SA so schlimm, dass die Anzahl der Nashörner wieder zurückgeht. Auch Lalibela wurde schon Opfer von Wilderen, die vier ihrer Nashörner erlegten, um an das begehrte Horn zu kommen. Mittlerweile schneiden sie das Horn ab, damit Wilderer erst gar nicht auf die Idee kommen, nach ihren Nashörnern zu suchen.

Im Krüger Nationalpark ist die Wilderei bereits so schlimm geworden, dass es erlaubt ist, Menschen, die unangekündigt im Park sind, einfach zu erschießen. Die astronomischen UNSUMMEN, die man mit so einem Horn verdient, lassen reiche Menschen aber immer wieder dazu verführen, mit noch ausgeklügerten Techniken und noch besseren Hubschraubern das nächste Nashorn zu finden.

Ich hoffe sehr, dasss diese faszinierenden Urtiere geretten werden können.

 

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