Kindermund die Erste

Wir haben zwei Stoffwaschbären.

Zwei, denn wir merkten recht bald, dass Waschbär Nr. 1 quasi unersetzlich ist und von der Wichtigkeit nur sofortigem Essen hinterhersteht (und weit vor Mama und Papa rangiert).

Ole

Also kauften wir einen Ersatzwaschbär, für den Fall, dass Waschbär Nr.1 uns abhanden geht.

Seit dem Zeitpunkt haben wir zwei Waschbären, die überall mit hinmüssen. So war das eigentlich nicht geplant, aber Pläne und Kinder….

Ole und Pelle sind seitdem Familienmitglieder, die mit auf das Niedersachsenticket eingetragen werden müssen und Nachts im Bett verzweifelt gesucht werden, weil der Zwerg draufliegt und verzweifelt jammert, dass Einer von Beiden „einfach weg“ sei.

Und jetzt ist es passiert. Der Ole musste operiert werden. Er wurde ja quasi seit Geburt als Schnuller benutzt und der Schwanz war jetzt durchgenagt. Fühlung quoll raus. Katastrophe. Wir haben den Zwerg also mit Arztkofferspielen darauf vorbereitet, dass der Ole Fieber hat und zum Onkel Doktor und operiert werden muss. Als der Traummann und der Zwerg dann beim Kinderturnen waren, hab ich mich schnell an die Nähmaschine geächzt  und das repariert. Und was haben der Traummann und ich uns für nen Kopf gemacht, wie das aufgenommen wird. Er hat den Ole nachts ja ständig im Mund, ist bestimmt an bestimmten Geschmack gewöhnt und an das Gefühl eh und wie wird wohl die Nacht werden?? Hoffentlich weint er nicht zu sehr.

Der Zwerg kriegt den Ole nach dem Turnen zu Gesicht und steckt ihn sich freudig in den Mund. Wir warten zitternd auf Reaktion – Nix kommt. Ich erzähle dem Zwerg – „Schau mal, der Ole ist operiert worden. Der Schwanz ist wieder heile!“ (Damit es nicht  erst beim Einschlafen auffällt!!) Der Zwerg guckt sich den Schwanz prüfend an, fährt dem Ole zärtlich über den Kopf und fragt ihn: „Besser?“ und steckt den Schwanz wieder in den Mund.

 

 

 

 

 

 

Das ewige NEIN!!!

Im folgenden Link gibt es einen netten kleinen Test

http://www.nytimes.com/interactive/2015/07/03/upshot/a-quick-puzzle-to-test-your-problem-solving.html?smid=tw-share&_r=3&abt=0002&abg=0

Bei Interesse den Test zuerst machen und dann weiterlesen.

Mir ist natürlich klar, dass Kinder nur dann lernen, wenn sie ausprobieren und dass sie auch lernen müssen, einen gewissen Frust auszuhalten und man nicht sofort dazwischen springen soll.

Was sich in der Theorie so leicht liest, fällt mir in der Praxis gar nicht so leicht. Je älter der Zwerg wird, desto eher lasse ich ihn nölen und meckern, weil ich mittlerweile weiß, dass er irgendwann auf die Idee kommt, mich um Hilfe zu bitten, wenn er wirklich nicht weiter weiß.

Gerade als er so 6-7 Monate alt war, krabbeln und am Liebsten noch laufen wollte, hingegen, konnte ich seine ständigen Unmutslaute nur ganz schwer aushalten und habe ihn viel zu schnell abgelenkt oder getröstet, anstatt ihn einfach üben zu lassen.

Mittlerweile ärgere ich mich darüber, dass ich oft viel zu schnell eingeschritten bin und versuche jetzt, mich zurückzuhalten. Manchmal setze ich mich wortwörtlich auf meine Hände (!), um nicht wieder dazwischenzufummeln.

Ein ganz bestimmtes Erlebnis war dabei für mich ein Schlüssel – der Zwerg spielte mal wieder mit seinem Steckspiel und versuchte, die Formen durch die Löcher zu fummeln. Aber er versuchte es grundsätzlich an der falschen Stelle und jammerte leise vor sich hin.

IMG_0965

Ich schaute mir das ne Weile an und fragte ihn dann, ob ich ihm helfen solle. Er guckt mich kurz verwirrt an, nimmt die Steckteile und steckt sie zielsicher und ohne Zögern in genau die richtigen Löcher. Er wusste GENAU wie es geht. Aber er wollte einfach mal ausprobieren, ob es auch andere Möglichkeiten gibt.

So etwas kaputt zu machen ist wirklich gefährlich. Nicht nur störte ich den Zwerg da in seiner herrlichen Konzentration, sondern ich brachte ihm implizit auch bei, dass es nicht gut ist, Dinge auszuprobieren, die nicht dem üblichen Weg folgen und die nicht sofort zum Erfolg führen!

Schade, dass man manchmal nicht die Zeit zurückdrehen kann, um es besser zu machen. Aber so können wir nur aus solchen Situationen lernen und es beim nächsten Mal hoffentlich besser machen!

Eltern als Bauerntrampel

Es gibt diese Eltern, die immer frisch frisiert sind (äh, ich müsste mir mal wieder die Haare färben), ohne Flecken auf den Klamotten und immer haben sie in ihrer Handtasche ökologisch unbedenkliche Reiswaffeln, Taschentücher, Notfallspielzeug etc.

Und dann gibt es Eltern wie mich.

Diesen Eltern widme ich die folgende Geschichte.

Gestern hatte ich wieder einen Kindergartentermin in einem Kiga, der 5min Fußweg von uns wegliegt.

Also echt genial bequem klingend. Eigentlich hätten wir da entweder zu dritt hingewollt oder Einer mit dem Zwerg zu Hause bleibend, aber möp, mein Mann ist krank.

Also schleppe ich Zwerg mit. Der auf einmal ab der Bushaltestelle nicht mehr laufen will und zudem einen Kacka in der Hose hat. Ich wickel ihn fix und nehme ihn dann auf die Schulter und komme völlig ko, aber gerade noch pünktlich in der Kita an.

boy-746527

Da ist ein Sammeltermin mit 13 Eltern(paaren). Alle sind entweder zu zweit oder ohne Kind. Sammeltermin finde ich schonmal doof, aber verständlich. Die Kita will sich Zeit sparen.

Will ich auch.

Geht aber nicht. Ich war schon in 17 anderen Kindergartenterminen, denn gute Kindergartenplätze sind ungefähr so leicht zu bekommen wie 5kg Lindtschokolade für 1€.

Auf dem KitaTisch in der Mitte stehen Teller mit Schokoladenkeksen. Der Zwerg läßt sich von denen ablenken, weil es auch ein Aquarium gibt. Also wechseln wir unseren Platz und ich lasse meine Handtasche aus Versehen stehen. Nicht so schlimm, denke ich.

Fische sind schnell langweilig und Zwerg fragt im 8 Sekunden Takt, wann er denn Kekse essen darf. „Wenn alle Stühle besetzt sind!“ antworte ich „Seeetzt? Sind setzt alle Stühle besetzt, Mama? Seeeettzt?“ (das in Dauerschleife bist tatsächlich 7 Minuten später alle sitzen) Ich bin einfach mal so frei und schnappe mir den Teller und gebe dem Zwerg einen Schokokeks, sobald der Kitaleiter das Wort ergriffen hat.

Von der Rede kriege ich grob geschätzt 12% mit. Den Rest der Zeit bin ich damit beschäftigt, dem Zwerg zu sagen, dass er leiser oder gar nicht reden soll, ihm Vorschläge zu machen, dass er doch mit der Eisenbahn da hinten spielen kann, nein, mehr als drei Kekse darfst du nicht, nein, ich muß jetzt zuhören und kann nicht mit dir nach Hause gehen. Alle anderen Kinder sitzen brav und ruhig auf dem Schoß oder spielen friedlich in der Ecke mit der Eisenbahn. Ab und an klingt mal eine Ermahnung oder ein Wort von den Eltern zu ihnen durch, aber eigentlich ist nur mein Kind laut und stressig Und das, wo er normalerweise immer so schüchtern ist, wenn Fremde da sind!!!

cookies-314958

Zwerg hat seinen dritten Schokokeks aufgefuttert und sieht entsprechend aus. Wie alle Kinder um ihn herum. Also holen alle Mamas ihre Taschen- oder Feuchttücher aus der Handtasche. Meine Handtasche ist weit weg und führt gerade eh keine Tücher mehr, da die (s.o.) beim Wickeln draufgingen. Also lasse ich mir von der Mama neben mir ein Taschentuch schenken. Dann fängt Zwerg an zu quengeln, weil er Hunger hat. Leider fiel der Termin in seine Hauptmahlzeit und auf dem Weg war er zu aufgeregt, um zu essen.

Aber eingepackte selbstgebackene Dinkelstangen sind in der Handtasche. Zwerg will die Handtasche nicht alleine holen. Also stehe ich auf und hole sie. Natürlich liegt sie hinter dem Leiter der Kita, der gerade am Reden ist und ich muß ihn dümmlich grinsend unterbrechen, um die Tasche zu holen.

Nach gefühlt 18h ist die Vorstellungsrunde vorbei und wir dürfen in der Kita rumlaufen und Fragen stellen. Alle Eltern springen los, schnappen sich die Erzieher und versuchen sich zu profilieren. Ich kämpfe mit einem jammernden Kind, was unbedingt sofort nach Hause will. Ich kann es überreden, dass wir uns nochmal den Toberaum angucken und will gerade begeistert etwas dazu sagen, dass es hier Hengstenbergmaterialien gibt, als auf einmal der Zwerg in einer Pfütze steht und total nass ist.

Ich bin mega verwirrt. Laufe zu ihm hin und merke, dass er keine Windel mehr anhat. Hab ich ihm etwa beim Wickeln keine angezogen???? Nein, sie ist im rechten Hosenbein und hat sich einfach nur gelockert.

Ich lasse mir von den Erziehern Tücher geben und wische alles weg, während die ganzen anderen Eltern mitleidig zugucken.

Zwerg ist sauer und schreit „Das war kein Pipiunfall, Mama!!! War kein Unfall!! Nein!!!“ Dann fängt er an zu weinen und ich fülle mit verzweifelten Kind auf dem Arm noch schnell eine Anmeldung aus, die vermutlich kein Mensch lesen kann und versuche, mich davon zu schleichen.

Eine andere Mama hält mich auf und bietet mir eine Wechselhose an („Ich hab ja immer was dabei!“ – äh ja, ich nicht…), was total nett ist, wenn auch eigentlich unnötig, da wir ja nur 5 Min zu Fuß weg sind, aber ich danke ihr, lasse mir schnell ihre Adresse geben und verschwinde in einem Schritt, der die Geher bei den Olympischen Spielen neidisch machen würde. Yoa, den Platz werden wir wohl eher nicht bekommen.